20 Glaubensfragen an Pfarrerin Helene Lechner

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Pfarrerin Helene Lechner: Ja, lieber Friedrich, wir versuchen schon seit längerem viel Werbung zu machen. Es gibt auch so kleine Videosequenzen auf der Homepage der Evangelischen Kirche A.B., wo wir versuchen Einblick zu geben in die Schönheit dieses Berufes. Wir bemühen uns um gute Kinder und Jugendarbeit, um sie mit hinein zu holen ins Boot der engagierten Evangelischen. Und wir bemühen uns natürlich auch um guten Religionsunterricht. Ich glaube, dass das die Basis dafür ist, dass Menschen Lust bekommen, Pfarrerinnen und Pfarrer zu werden in unsere Kirche und zu erkennen, dass Kirche ein schöner Ort ist, um mit dabei zu sein. Der Rest ist Aufgabe des Heiligen Geistes.

Pfarrerin Helene Lechner:  Ja, also, lieber Martin, wenn du gerne evangelisch werden möchtest, dann ist wahrscheinlich das Beste, du suchst Kontakt zu deiner dir nächstgelegenen Gemeinde oder die, die dich interessiert und bemühst dich um ein Gespräch mit der Pfarrerin oder dem Pfarrer dort. Wenn wir in unsere Kirche eintreten will, hat man normalerweise zwei Gespräche, ungefähr wo man sich austauscht darüber, warum will man gerne evangelisch werden? Was ist geschehen in der Vergangenheit, dass man diesen Weg jetzt einschlagen möchte? Was erhofft man sich von einer Mitgliedschaft? Also das sind sozusagen die inhaltlichen Dinge. Da muss man sich auch nicht fürchten, dass es ein Prüfungsgespräch wäre. Und dann gibt es natürlich auch noch so dokumentarische Dinge. Man muss seine Austrittsbescheinigung mitbringen und kriegt dann einen neuen Stempel auf den Taufschein. Also am besten du meldest dich einfach bei dem Pfarramt, für die Gemeinde du dich interessierst.

Pfarrerin Helene Lechner: Ja, also Gott sei Dank sollen wir nichts in unserem Land, sondern wir dürfen der Religionsgemeinschaft angehören, wo wir uns zu Hause fühlen oder die uns anspricht. Als evangelische Kirchen verbindet uns mit der römisch katholischen Kirche natürlich sehr viel. Wir teilen dieselbe Kirchengeschichte, haben dasselbe Heilige Schrift und trotzdem haben wir uns auch ein bisschen auseinander entwickelt, gibts es auch Unterschiede. Und da würde ich sagen, was den einen anspricht, sprich den anderen vielleicht eben nicht an. Da muss man einfach auch selber schauen, wo kann ich gut andocken. Ich als bewusste Evangelische schätze an meiner Kirche, dass die Freiheit des Glaubens und Denkens großgeschrieben wird, dass Diskussionen Platz hat, dass Frauen und Männern rechtlich alle Ämter in unserer Kirche gleichermaßen offenstehen. Und natürlich die reformatorische Botschaft, die wir verkündigen, in Wort und Tat.

Pfarrerin Helene Lechner: Also, lieber David, ich glaube, dass Glauben ein Prozess ist und einer, der immer wieder im Wandel begriffen ist. Für einen persönlich befindet sich in der inneren Entwicklung und ich glaube, je nachdem, wo wir gerade im Leben stehen oder was wir auch schon so an Leben im Gepäck haben, kann sich das, was wir so als Glaubensgewissheit in uns tragen, auch verändern. Wenn Sie für sich zu den Schluss, zu dem Schluss kommen, dass für Sie der Zeitpunkt da ist, setzt sich einer Gemeinschaft einer evangelischen auch offiziell anzuschließen  als Mitglied, glaube ich, dass, wenn das für Sie jetzt gerade stimmt, dass das dann auch stimmt und gut ist. Das heißt nicht, dass alle Fragen dann abgeschlossen sein müssen, die sie haben, oder auch vielleicht manche Kritik. Entscheidend, glaube ich, ist, dass man im Austausch bleibt, fragt: was bewegt dich, das schon so zu sehen und sich da miteinander im Glauben und im Bekennen weiterentwickelt

Pfarrerin Helene Lechner: Ja, das ist tatsächlich etwas, was in unserem evangelischen Dasein in Österreich uns immer wieder passiert. Dass manchmal auch unsere eigenen Leute sagen Messe. Eigentlich ist Messe oder normalerweise in einer Messe wird Eucharistie nach katholischem Verständnis gefeiert und im Abendmahl in der Abendmahlsfrage unterscheiden wir uns ja auch als christliche Kirchen. Deswegen ist der Begriff Messe in unserem Sprachgebrauch eigentlich der katholischen Kirche vorbehalten. Wir sagen Gottesdienst. Das Schöne am Begriff Gottesdienst ist, dass er offen hält, wer hier wem dient, also dient Gott uns, dienen wir Gott in diesem Geschehen. Jedenfalls ist da Raum und Platz dafür, dass was passiert, was wir nicht ganz alleine in der Hand haben.

Pfarrerin Helene Lechner: Das ist natürlich eine spannende Frage. Man muss dazu aber natürlich sagen, dass der historische Jesus Jude war und ganz intensiv verwurzelt in seinem jüdischen Glauben. Das wollen wir schon im Bewusstsein halten, auch als evangelische Kirche heute. Trotzdem, natürlich gibt es uns, auch weils Jesus gibt, den andere als Christus bezeichnet haben und insofern liegt hier vielleicht die Freiheit anzudocken für andere, sich mit unserem Glauben zu beschäftigen. Ja, also ich denke so können wir es stehen lassen.

Pfarrerin Helene Lechner:  Ja, glauben heißt auch Vertrauen, wenn man es vom Griechischen herleitet. Da liegt letztlich was Unverfügbares eigentlich darin begründet, dass wir sozusagen nicht machen können. Ich kann nicht schnipsen und plötzlich glaube ich was. Gleichzeitig glaube ich schon, dass wir sozusagen vertrauensbildende Maßnahmen setzen können. Wer auf der Suche sich befindet, macht sich eben auch auf die Suche. Und das bedeutet, ich kann zum Beispiel Bibel lesen und mich mit anderen drüber austauschen. Ich kann in den Gottesdienst gehen und zum Kirchenkaffee oder zum Predigt Nachgespräch bleiben. Ich kann Veranstaltungen meiner Gemeinde mitgestalten oder auch einfach teilnehmen und ich kann mich mit theologischen Fragen beschäftigen oder mich im Gebet versuchen. Alles sind Wege, von denen ich glaube, dass sie sozusagen zu einer inneren Offenheit führen. Oder ein Herz, das sich öffnet für die Möglichkeit, dass da was reinfällt. Oder dass ich mich beschenken lassen kann von einer Wirklichkeit, die größer ist als ich selber.

Pfarrerin Helene Lechner: Ja, liebe Maria, also die  Botschaft, die der Luther zu seiner Zeit beim Paulus wieder entdeckt hat, die lautet, dass Vertrauen auf Gott und auf Gottes große Liebe und Barmherzigkeit reicht. Und dass uns Gott in Jesus Christus gezeigt hat, dass seine Menschenfreundlichkeit und seine Gnade größer sind als Schuld und Tod und das, was wir als das Böse auch vielleicht in der Welt identifizieren. Und dass der Mensch, der Vergebung sucht, auch Vergebung empfangen wird oder erfahren wird. Und so, glaube ich, sind wir erlöst von dem, was uns Angst macht oder das Herz schwer macht und wo wir glauben, dass wir vor Gott und den Menschen und auch uns selber versagt haben. Heißt nicht, dass wir die Hände in den Schoss legen und sagen Jetzt ist mir alles egal, Werke sind wurscht oder so, sondern im Gegenteil glaub ich, wer sich von Gott geliebt weiß und getragen, der muss sich nicht dauernd um sich selber Sorgen machen, sondern kann für andere Sorge tragen, sich sorgen.

Pfarrerin Helene Lechner:  Ja, also Paradies und Hölle sind keine Orte, die man auf einer Landkarte finden würde oder diesmal zu einer Zeit gegeben hat und jetzt gibt es nicht mehr oder so, sondern bringen eher ein bestimmtes Selbstverständnis des Menschen in Bezug auf sein Verhältnis zu Gott zum Ausdruck. Und auch über sein Menschsein. Die Geschichte vom Paradies erzählt uns, wir Menschen, die sind Leute, die wollen Einblick haben in die Welt, Sachen verstehen. Wer Dinge versteht, muss auch Entscheidungen treffen. Die können zum Guten führen, zum Schlechten. Die können weder noch sein. Wir sind herausgefordert, die Welt zu gestalten. Das kann zu Himmlischen führen und manchmal auch die Hölle auf Erden bedeuten. Die Vorstellung von Paradies und Hölle hat auch damit zu tun, was wir uns an Gerechtigkeit am Ende der Zeit vorstellen. Und ich persönlich, ich glaube an einen Gott, der uns mit hineinnimmt in seiner heilvolle Gegenwart. Am Ende ist alles in allem in Gottes Liebe getragen. Und ich glaube, dass das, was auf der Hölle, nein, auf der Erde höllisch wir als höllisch empfinden, dass das dort keinen Platz mehr hat.

Pfarrerin Helene Lechner: Ja, liebe Berta, schön, dass du eine Roxy hast. Ich habe auch einen Hund, der mir viel bedeutet. Gott ist ein Freund des Lebens, glaube ich. Eine Kraft, die leben will und fördert. Wenn wir in der evangelischen Kirche segnen, dann segnen wir immer Menschen. Die können ja dann auch so zu sagen, ja, das verändernde was Segen bewirken kann, auch fühlen. Deswegen sind wir dabei Gegenständen und Tieren zurückhaltender. Aber es gibt auch in unserer Kirche Gottesdienste, die für Menschen mit ihren Tieren offen sind, wo man um den Segen Gottes bitten kann, auch um einen Segen für vielleicht für deine Beziehung mit deinem Dackel Hund, dass die gut weitergehen möge.

Pfarrerin Helene Lechner: Es tut mir sehr leid, Anna, dass du solche Schicksalsschläge erlebt hast bis jetzt und das Gefühl hast, dass deine Lebenskatastrophen gerade nicht aufhören. Die Frage wie schaut Gott dazu oder wie greift Gott ein oder nicht? Beschäftigt Menschen natürlich, so lange sie schon sich mit Gott beschäftigen und mit ihrem eigenen Leben. Auch aus unserem christlichen Verständnis gibt es da keine, also eigentlich gibt es keine Antwort auf ein Warum, das wir manchmal stellen. Das heißt aber nicht, dass wir da im luftleeren Raum dann herum schweben sozusagen, sondern dass wir uns ans Vertrauen oder an die Gewissheit klammern, dass Gott mit uns ist auch dann, wenn es grad unglaublich schwierig ist für uns im Leben. Für das persönliche Leben, glaube ich, kann man auch deshalb keine allgemeingültigen Antworten finden. Aber ich kann nur dazu aufrufen, dass man sich an wen wendet, mit dem man sich darüber austauschen kann. Unsere Seelsorgerinnen und Seelsorger, die stehen zur Verfügung, um solche Fragen mit persönlichen Antwortmöglichkeiten dann zu klären.

Pfarrerin Helene Lechner: Also die Bibel als Ganzes zu lesen zu versuchen ist natürlich grundsätzlich eine tolle Sache. Von vorne bis hinten habe ich das auch einmal in meinem Leben geschafft. Am Anfang meines Studiums, da war es meine Aufgabe. Und habe da auch gemerkt, was ich natürlich nicht zu viel auf einmal vornehmen. Vor allem, weil die Bibel ja aus ganz verschiedenen Sorten von Texten besteht und man die ja nicht, du liest ja auch nicht einen Gedichtband in einer Stunde einfach durch, sondern möchtest vielleicht auch drüber nachdenken, was steht da? Deswegen gibt es Bibel Lese Pläne, die einen auch wirklich durch die ganze Bibel tragen, wenn man das will. Ich glaube, die dauern dann ein oder zwei Jahre. Und wenn du möchtest, dann kannst du auch mal schauen, es ist gerade eine neue Übersetzung komplett rausgekommen, nämlich die Basis Bibel. Die hat den Anspruch, dass sie möglichst leicht verständlich ist und trotzdem nahe an dem, was wir im hebräischen und griechischen Original haben. Also kauf sie dir, schau rein und lies. 

Pfarrerin Helene Lechner: Also ich glaube an einen Gott, der will, dass wir Lebensfreude haben. Dazu gehört in meinem Verständnis auch ein gesundes Verhältnis zur eigenen Sexualität. Und dazu wiederum gehört, dass man erst merkt oder kennenlernt oder schaut, wie ist diese Sexualität überhaupt gestrickt? Wer bin ich da denn eigentlich? Ich glaube, dass zum Beispiel Sex vor der Ehe in meinem Gottes Verhältnis jetzt nichts ändert. Da gibt es natürlich unterschiedliche Ansichten, das ist meine Überzeugung. Mein Gott, glaube ich will, dass ich Gutes tue, den Menschen und ein gottesfürchtige Leben führe. Und wenn ich einen einen Partner habe und dem auf Augenhöhe begegnet, sehe ich nichts Falsches darin, mit dem auch Sexualität zu leben. Wer Lust hat, sich mit der Erotik, wie sie sich auch in der Bibel findet, besonders zu beschäftigen, der kann mal ins Hohelied hineinschauen. Aber in das, was im Alten Testament zu finden ist, das ist eine Sammlung von Liebesgedichten, wo es um Liebe und Erotik in allen möglichen verschiedenen Konstellationen und Varianten geht. Ja, ist auch mal spannend, diesen Teil unserer Bibel zu entdecken. Viel Freude damit.

Pfarrerin Helene Lechner: Ja, auch zum Thema Homosexualität gibt es natürlich auch in unserer evangelischen Kirche A.B. unterschiedliche Standpunkte, die immer wieder zu heißen Diskussionen führen. Zuletzt 2018/19 hat dann damit geendet, dass im März dieses Jahres 2019 aus meiner Sicht endlich auch für gleichgeschlechtliche Paare die Möglichkeit gegeben wurde, dass sie ganz offiziell und öffentlich in einer unserer Kirchen Hochzeit feiern können. Das heißt, dass sie ihren Dank vor Gott zum Ausdruck bringen können, dass sie sich gefunden haben und dass sie auch gemeinsam in der Gegenwart ihrer Liebsten und der anwesenden Gemeinde um Gottes Segen für ihre Partnerschaft bitten können. Es gibt die Plattform der lesbischen, schwulen und bisexuellen, haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitenden der Evangelischen Kirche in Österreich. Und die möchten möchte sich für LGBTIQ Belange in der Evangelischen Kirche einsetzen und vergibt auch ein Prädikat A und O. Ist akzeptierend und offen für alle Lebensformen und wird vergeben an evangelische Pfarrgemeinden und Organisationen in Österreich, die LGBTIQ unterstützen und wenn ihr gerne wissen wollt oder wenn du wissen willst, welche Gemeinde tragen dieses Prädikat, dann kann man entweder googeln oder man schaut auf die Seite der Evangelischen Kirche A.B. in Wien. Das sind zumindest die Gemeinden in Wien, gesammelt unter dem Stichwort Hochzeit.

Pfarrerin Helene Lechner: Also ich persönlich glaube, es ist eher schwierig sich für etwas zu entscheiden, das man nicht kennt oder zu dem man halt wenig Bezug hat. Als sich eines Tages gegen etwas zu entscheiden, das man kennengelernt hat und von dem man dann denkt, es passt nicht zu mir. Ich glaub, oder weiß aus eigener Erfahrung, dass man als Eltern, als Erziehungsberechtigte ja viele Entscheidungen fürs Kind trifft. Was gibt es zum Essen? Sind wir Vegetarier? Wie viel darf man fernsehen? Was ist unser Lebensstil? In welche Schule, welchen Kindergarten schicke ich mein Kind? Deshalb glaube ich, ist es auch legitim, dass wir als Eltern in Sachen Religion zumindest Vorentscheidungen treffen. Auch wenn ich mein Kind nicht taufe, ist es letztlich auch eine Entscheidung, die in eine gewisse Richtung führt. Wenn man seinem Kind ermöglichen möchte Religion kennenzulernen, kann man es auch ohne das es getauft ist zu uns in den Religionsunterricht schicken. Und da kannst du dann schauen wie es ihm gefällt oder nicht und sich jederzeit auch wieder abmelden. Ja, aber vielleicht entdeckt sie ja auch, dass es Spaß macht, über Gott und die Welt ins Gespräch zu kommen.

Pfarrerin Helene Lechner: Der historische Jesus, wie er vor 2000 Jahren auf unserer Welt gelebt hat, der wie wir wissen, ist ja geboren worden von seiner Mutter Maria und war als Kind und Jugendlicher und junger Mann. Und von daher kann ich mir gut vorstellen, dass ihm auch manchmal Dinge nicht gelungen sind oder er Schabernack getrieben hat, dass Maria ihn auch mal geschimpft hat vielleicht. Oder dass auch Dinge passiert sind, von denen er im Rückblick vielleicht gedacht hat, dass sie anders besser gelaufen wären. Dass sich nach unserem Verständnis Gott gerade in einem von uns zu erkennen gibt und von daher sozusagen genau weiß, was es heißt, ein Mensch zu sein mit den Höhen und Tiefen, die zu unserem Leben dazugehören, ist für mich persönlich einer der eindrücklichsten Glaubens Erkenntnisse oder Glaubens Gewissheiten. Jesus selber war ja auch das Thema Umkehren, neu anfangen mit Gott, ganz wichtig in dem, was er gelebt und verkündigt hat. Und deshalb glaube ich, hat das schon ein Grundverständnis gehabt für solche Lebenssituationen.

Pfarrerin Helene Lechner: Also wenn man sagt Gottes Sohn, dann bringt man damit einen gewissen oder bestimmten Beziehungsstatus zum Ausdruck. So nahe stehen sich Gott und Jesus, so eng sind sie miteinander verbunden wie ein Elternteil mit seinem Kind. Und wir kennen das ja auch aus unserem eigenen Leben oder Beobachtens, dass Kinder ja nicht nur optisch ihren Eltern ähneln, sondern auch vor allem in dem, wie sie sprechen, lachen, ernst sind, wie sie sich ausdrücken, ihre Gestik, was ihnen auch wichtig ist im Leben. Wir Christinnen und Christen, wir glauben, wenn wir auf Jesus schauen, dann können wir Gott entdecken. Und dann erkennen wir Gottes freundliches Gesicht. Und dass Gottes Geist auf diesem Jesus liegt und so an uns auch weitergegeben wird, so dass wir selber durch diesen Geist als Kinder Gottes erkennbar sind. In der Welt.

Pfarrerin Helene Lechner: Also zu den berührendsten Erlebnissen für mich in interreligiöser Hinsicht gehört, dass ich immer wieder die das Glück hatte, an multireligiösen Feiern zum Schulanfang und zum Schulende in einer Volksschule mitzuwirken. Der Direktorin dort war ein Anliegen, dass die Schule das Jahr gemeinsam beginnt und abschließt und dass man sich eben nicht zersplittert. Und jeder macht sein eigenes Ding. Und so sind bei dieser Gelegenheit immer da war ich dann und ein katholischer Kollege, ein Imam, ein orthodoxer Priester. Und wir haben gemeinsam diese Feier gestaltet mit den Religionslehrerinnen und Lehrern. Und ich glaube deshalb oder habt ihr Erfahrung gemacht, dass es möglich ist, dass man miteinander, zum Beispiel Danke sagt für das, was gewesen ist, jeweils gerichtet an den, an dem man da selber glaubt, und dass es möglich ist, dass man miteinander um Frieden bittet und darum, dass das Miteinander gelingt. Und ich glaube, gerade in einer Stadt wie Wien, wo es so viele verschiedene Menschen unterwegs sind, ist das echt eine große Chance, das andere kennenzulernen, ohne aber das Eigene aufzwingen zu wollen. Und so was gelingt, wenn man sensibel ist in der Sprache, in der man dann miteinander feiert und respektiert. Dass der neben mir vielleicht gerade nicht genau jetzt den meint, dem ich meine aber, dass wir da gemeinsam sitzen und ein ähnliches Ziel verfolgen.

Pfarrerin Helene Lechner: Naja, vorhin habe ich schon gesagt, Glauben hat was mit Unverfügbarkeit zu tun. Glauben kann man sozusagen nicht herstellen. Aber ich habe schon natürlich in meinem eigenen Leben und in meiner Arbeit auch die Erfahrung gemacht, dass Gottvertrauen einen tragen kann und auch eine gewisse Freiheit ermöglicht. Ich glaube, Menschen, die im Vertrauen leben, weiß nicht, vielleicht, also ich zumindest. Ich glaube, dann kann man Sachen wagen und traut sich vielleicht auch Dinge zu, vor denen man sich sonst vielleicht fürchten würde. Oder wahrscheinlich auch gerade an den Grenzen des Lebens, Geburt und Tod und Schönheit, im größtmöglichen Sinn und Schwierigkeit sehe ich dann mich selber eingebettet in diesem Größeren, das mich halt trägt und ich muss es nicht selber machen.

Pfarrerin Helene Lechner: Ja, wie oft bete ich am Tag? Ich glaube, das kann man wahrscheinlich jetzt nicht in irgendeine, also ich kann jetzt nicht sagen, immer, jeden Tag, 17 Mal. Es gibt natürlich auch unterschiedliche Formen von Gebet. Manchmal sind es sozusagen Gebete mit Worten, auch in Zusammenhängen wie Gottesdienst oder Andacht oder mit anderen Menschen. Manchmal ist ein Gebet vielleicht auch nur so was wie ein in den Himmel geschicktes Gefühl zur Situation, in der ich gerade bin. Also es ist wahrscheinlich unterschiedlich. Vielleicht manchmal einmal, vielleicht manchmal zehnmal, weiß nicht. Vielleicht verstreicht auch mal ein Tag ohne formuliertes Gebet und gleichzeitig aber in einer frommen Gestimmtheit, die einfach so ist, wie sie ist.